Making of… Murder (1)

Da ich im Moment darauf warte, dass mein Verleger mir die letzten Korrekturen an meinen Korrekturen schickt, und da ich ja immer mal wieder gefragt werde, wie denn so ein Buch entsteht, dachte ich mir, ich nutze mal die Gelegenheit und fasse in ein paar Blogposts den Ablauf zusammen, wie er bei Zita S. und jetzt auch beim Goldfisch geschah.

Typischerweise beginnt es mit einer Idee — Wobei die Idee noch nicht mit der Geschichte gleichzusetzen ist. Schon seit längeren spukt mir beispielsweise eine Idee durch den Kopf von einem Setting: Eine Handvoll verstreuter Ortschaften mit einem Technologieniveau des frühen 20. Jahrhunderts. Die Dörfer sind völlig isoliert voneinander, bis auf automatisierte Züge, die zwischen den Ortschaften verkehren und Waren von hier nach dort bringen. Zu ihrem 15. Geburtstag werden die Jungen aller Siedlungen auf bestimmte Züge verfrachtet, wo sie dann in einer ihnen bis dahin vollkommen unbekannten Siedlung aussteigen und ein komplett neues Leben beginnen, und alles andere hinter sich lassen. (Das würde sicher keinen sehr guten Krimi ergeben.) Ich habe an der Idee schon geraume Zeit herumgeknobelt, und erst in diesem Frühjahr ging mir langsam auf, wie man daraus eine Geschichte formen könne: Welche Charaktere vorkommen, und was außer dieser ominösen „Reise“ denn noch alles passieren würde.

Solche Ideen notiere ich mir dann ganz altmodisch analog auf einem Moleskin-Notizbuch (aufgrund eines häufigen Tippfehlers auch liebevoll „Notzibuch“ genannt) und lasse sie reifen:

moleskin_scan

Dass die Handschrift fast unlesbar ist verdeckt erfreulicherweise die Tatsache, dass auch der Inhalt recht wirr ist; eben der Inspiration des Moments geschuldet. Aber immerhin gelingt es mir, wenn ich das Büchlein nach längerer Zeit wieder aufschlage, ab und zu Sinn aus diesen Notizen zu pressen. (Ob das die gleichen Gedanken waren wie ursprünglich darin abgelegt, sei dahingestellt.)

Es gibt natürlich weitere Notizen von der Idee zur Geschichte, und irgendwann ist es soweit, dass ich mich hinsetze und daraus ein Treatmentmache — eine mehr oder minder detaillierte Übersicht über das Setting, die Charaktere und die Handlung. Wie dieses Treatment genau aussieht, das hängt vom Umfang der Geschichte ab: Für eine Kurzgeschichte spare ich es mir meistens und erlaube mir, zu improvisieren; für einen Roman kann das Treatment schon mal einen beträchtlichen Umfang annehmen; bei Zita S. waren es 33 Seiten, dazu kam noch das berühmte recht umfängliche Excel-Sheet, das ich benötigte, um der Handlungsstränge und der Verteilung von Indizien und Aussagen Herr zu bleiben.

Gelegentlich fällt auch noch ein Exposé ab, eine kurze Projektskizze, die auf wenigen Seiten Umfang, Ton und Inhalt des Buches (oder auch des Theaterstücks, oder was immer eben ansteht) zusammenfasst. Während das Treatment in erster Linie für mich als Leitlinie gedacht ist, dient das Exposé eher dazu, andere wie z.B. meinen Verleger für das Projekt zu interessieren.

Hier als Beispiel die ersten Seiten des Exposés (oben) und des Treatments (unten) für Zita S.:

nimoy_expose nimoy_treatment

Soweit die Vorarbeit, an deren Ende ich bereits eine relativ klare Übersicht habe, wie das fertige Buch aussehen soll.

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Eine Antwort zu “Making of… Murder (1)

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