Making of… Murder (2)

Nachdem die Vorarbeiten soweit gediehen sind, geht es ans eigentliche Schreiben. Das ist der kreative Prozess per se, und als solcher eine der schwierigsten Etappen in der Entstehung des Buches. Immerhin soll der Autor, der sich ja nun schon seit Wochen und Monaten mit dem Thema befass hat, den Text, wenn er ihn niederschreibt, so betrachten wie ein Leser, der zum allerersten Mal damit konfrontiert wird: Welchen Eindruck wird diese oder jene Szene auf ihn machen? Wie kann ich diese und jene Stimmung erzeugen, wie den besonderen Sachverhalt einführen? (Insbesondere bei einem Krimi idealerweise so, dass ich das Ende nicht gleich verrate…) Und schließlich, welche Pointen, bei deren Erfindung ich mich bepisst habe vor Lachen, werden beim Leser nur ein schwaches Gähnen hervorrufen?

Nun kommt natürlich auch die Phase, in der sich zeigt, dass die im Treatment angelegte Geschichte vielleicht nicht die optimale Lösung war. Autoren wie Stephen King zum Beispiel nehmen ihre Treatments eigentlich nur als grobe Richtlinie und erlauben den Figuren, wie sie ihrer Phantasie beim Schreiben tatsächlich entspringen, größere Freiheiten und schreiben schon mal drauf los, ohne sich wirklich auf ein Ende festgelegt zu haben. Ich persönlich (ohne mich sonst mit Stephen King vergleichen zu wollen) halte mich meist recht genau an das Treatment, allerdings auch nicht sklavisch: Beim Goldfisch z.B. war vorgesehen, dass der nächtliche Überfall mit einer weiteren Leiche endet. Als ich an die entsprechende Stelle kam, wurde mir allerdings bewusst, dass das für die leichte „sommerliche“ Stimmung, die die Geschichte ansonsten durchzog, nicht recht angemessen gewesen wäre. So kam also niemand an dieser Passage zu Tode, was mir außerdem auch noch erlaubte, einen netten kleinen Twist am Ende der Geschichte einzufügen.

Da ich ein recht altmodischer Mensch bin, schreibe ich nicht mit Word. Ich empfinde diese Textverarbeitung als so ziemlich die schlechteste vorstellbare Lösung, um etwas anderes als Einladungen zum Kindergeburtstag zu tippen. Leider stehe ich mit meiner Meinung relativ alleine dar, und so auch mit meiner Vorliebe für „LaTeX“, mit dem ich stattdessen meine Texte schreibe. LaTeX ist keine „What-You-See-Is-What-You-Get“-Anwendung, stattdessen werden Texte mit LaTeX in einer „Auszeichnungssprache“ geschrieben, die eher an HTML erinnert. Soll ein Textabschnitt beispielsweise hervorgehoben werden, so wird er in geschweifte Klammern eingefasst und ihm der Befehl „\emph“ (für „emphasis“) vorangestellt: „\emph{Betone mich!}“

boxer

Beim „Drucken“ wird von LaTeX aus diesen Quelltexten ein PDF- oder anderes Dokument generiert. Und zu diesem Zeitpunkt sieht LaTeX an einer ganz anderen Stelle nach, was „\emph“ denn eigentlich bedeutet — ob die Schrift kursiv, fett oder vergrößert dargestellt werden soll. Das ist alles in weitem Rahmen durch den Anwender einstellbar, aber der große Vorteil ist, dass ich nur zu schreiben brauche „\emph“ und bereits weiß, dass jeder Text mit dieser Auszeichnung nachher gleich aussehen wird, und ich mir über ein einheitliches Aussehen meines Dokuments keine Gedanken mehr zu machen brauche.

Weitere Vorteile sind, dass LaTeX kostenlos und für jede Plattform erhältlich ist. Die Quelltexte können mit jedem Editor auch auf altersschwachen Rechnern bearbeitet werden, und vor allem ist die Typographie und das Erscheinungsbild von mit LaTeX erstellten Dokumenten allem, was Word generieren kann, weit überlegen.

Der einzige Nachteil ist, dass LaTeX keine Word-Dokumente erzeugen kann — weswegen die Zusammenarbeit mit anderen, wie zum Beispiel Verlegern, gelegentlich Klimmzüge erfordert.

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Making of… Murder (2)

  1. Pingback: Making of… Murder (4) | Iahel Nimoy

  2. Mentor, LaTeX ist die Spitzen Lösung schlechthin, lass dich da nicht beirren. Was deinem Ruf als Physiker noch gerechter werden würde, wäre wenn du einen richtigen Editor zum Schreiben nehmen würdest – grade bei den Physikern ist doch Emacs das Universalwerkzeug schlechthin. Der Informatiker – mit beschränktem Horizont im Vergleich zum richtigen Akademiker – nimmt VI oder integriert die Schreibumgebung in seine Build-Umgebung –> TeXlipse. Aber egal, ich bin gespannt wie ein Flitzebogen!

  3. Ob du’s glaubst oder nicht, aber im Rahmen meines Umzug zu Linux gebe ich auch meinen alten „Boxer“-Texteditor auf und gewöhne mir gerade Gvim an… Ich bin so retro, dasd ich schon wieder vornedran bin, hm?

  4. Wow, jetzt bin ich aber platt!

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