Neues von hinter der Theke

Es gibt immer noch recht wenig Neues zu Frau Nimoy zu berichten — das soll nicht heißen, dass ich müßig gehe, sondern dass ich derzeit vielerlei Projekte verfolge.

Eines dieser „Projekte“ (zu denen ich mal wieder wie die Jungfrau zum Kinde gekommen bin) war das Musical Der Kaiser und die Gauklerin, produziert vom Musical Netzwerk Nürnberg. Meine Geliebte Sina hatte dort eine Rolle als Sängerin erhascht, und als die Aufführungstermine näherrückten meinte sie in ihrer praktischen Art, bevor ich die ganzen Abende alleine säße, mich nach ihr grämte und möglicherweise auf dumme Gedanken käme („Ich…?“) könne ich ja auch bei den Veranstaltungen im Foyer helfen — wo chronischer Mangel bei Freiwilligen herrscht.

Gesagt, getan, denn es ist nicht klug, den Plänen der Prinzessin  zu trotzen, und so kam ich zu ein paar Einsätzen an Garderobe, Einlass und hinter der Theke der Bar. Im Rahmen einer Abschlussfeier für die Helfer wurden wir noch einmal nach unserem Feedback gefragt, und welche Erfahrungen wir denn so gemacht hätten. Da mir einer unserer Mitarbeiter besonders im Gedächtnis geblieben war, ließ ich mich zu einem kleinen Gedicht hinreißen, das ich auf der Feier präsentiert habe und hier noch einmal, dem Publikum zur Zerstreuung und Erbauung, vortragen möchte. Der Mitarbeiter in Frage ist die Spülmaschine, darum:

Ode an die Spüle

Das muntre Spiel macht kurze Pause
Und ins Foyer zu Trunk und Schmause
Eilt frohen Muts der Operngänger —
Jenseits der Theke blickt man bänger

Zu laben die erhitzten Massen
Bedarf es nämlich Glas und Tassen
Und ebbt der Strom, so mag dem Kunden
Nicht Sekt noch Bier noch Schorle munden

Schon kniet zu Boden der Barista
Denn seine Aussicht, die wird trister:
Auf die chromverbrämte kuriöse
Spülmaschine blickt er böse

Mal spült sie rasch zu vollem Glanze
Mal nicht so sehr, es stockt das Ganze
Das Nass ist kalt, oder zu heiße
Der Barmann greint, was soll diese unbefriedigende Gesamtsituation?

Zum heitern Stück macht böse Miene
Die kapriziöse Spülmaschine
Lenkst du auch stolz des Bieres Hähne:
Der Spüle zollst du manche Träne!

„Erhöre doch meine Gefühle
Wenn ich in deinem Korbe wühle
Dein Dampf unwallt mich feucht und schwüle
Gehasste und geliebte Spüle!“

Geduld ist nicht des Trinkers Tugend
Es zetern Greise und auch Jugend
So dauert es denn gar nicht lange
Fast wird zum Mob die brave Schlange

Die Kundschaft wünscht mit Recht zu zechen
Schont droht der kultivierte Damm zu brechen —
Da wandelt sich der Spüle Laune
Sie spült und braust, dass man nur staune!

Sie liefert brav und ganz manierlich
Den festen Krug, den Kelch, der zierlich
Und eh der Abend tragisch endet
Hat sie das Unglück abgewendet

„Erhört hat sie meine Gefühle
Da ich in ihrem Korbe wühle
Lässt sie mich endlich ran zum Ziele:
Gehasste und geliebte Spüle!“

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