Ein Beitrag zur aktuellen Probensituation von Regisseurin Stefanie Hahn.

Corona ist kein Freund des Theaters. Das ist ganz offensichtlich. Keine Treffen mehrerer Menschen in geschlossenen Räumen, zumal wenn sie sich dazu noch nahekommen sollen, laut sprechen oder gar singen. Schwierig. Das zwingt den/die Regisseur*in zu kreativen Maßnahmen, um die Truppe zum einen bei Laune, zum anderem und vor allem aber im „Spiel“ zu halten.

Verzweifelte Zeiten erfordern verzweifelte Maßnahmen. Auch wir entschlossen uns, es mit der Null-Kontakt-Variante zu versuchen und den Goldfisch per Skype zu proben. Mit all den bekannten kleinen und großen Schwierigkeiten: „Ayse, alles klar bei Dir?“ „Ja, mir ist nur mein Laptop runtergefallen“, „Martin ich kann nur noch Deinen Bauch sehen“ „Ich muss mich bewegen, wenn ich spiele“ Dora, Dein Mikrofon ist noch aus. Wir hören nix… Dora? DORA? „…Jeder der Videokonferenzen nutzt, kennt das. Und seien wir ehrlich – die ersten drei Proben online machen sogar noch richtig Spaß, dann wird es öde. Theater lebt nun einmal vom direkten Kontakt, vom gemeinsamen Agieren, von der Dynamik des Augenblicks, wenn eine Szene die Kraft entfaltet, die der/die Autor*in beim Schreiben im Sinn hatte.

Aber: erstaunlicherweise kann man per Skype auch ein paar Dinge lernen, die im Probenraum nicht so ohne Weiteres vermittelbar sind. Bühnenflüstern ist so ein Beispiel. Ein Flüstern im Theaterstück gehört schon zum schwierigeren Handwerk des/der Schauspieler*in. Je nach Größe des Saals und der Anzahl der Zuschauer*innen, müssen die Akteure bis in die letzte Reihe verstanden werden. Egal, ob sie ein Kriegsgeschrei abstimmen, sich streiten, singen oder normal sprechen. Und eben auch, wenn sie flüstern, röchelnd den Heldentod sterben oder was dergleichen mehr ist. Skype verzeiht kein Flüstern. Deutliche Artikulation ist zwingend für die gelungene Konferenzschalte.

Gutes Timing ebenso. Um den Datenstrom zu entlasten waren immer nur die aktuellen Sprecher*innen zugeschaltet – mit Mikrofon und Kamera. Die anderen harrten sozusagen im Backspace aus und schalteten sich erst zu, wenn sie auch etwas zu sagen hatten. Viele Diskussionen würden deutlich harmonischer verlaufen, wenn das jeder mal üben würde. Es erfordert nämlich nicht nur ein gutes Gespür für den korrekten Einsatz, sondern ebenso auch für aufmerksame und genaues Zuhören. Und man muss den anderen aussprechen lassen.

Eine Kunst, die nicht nur Regisseure sehr zu schätzen wissen. Also bitte gerne nachmachen! 😉

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